genaue Zeit - Aktueller Kalender | ♫ ♫ ► RADIO ONLINE ♫ ♫ |     ▄▀▄▀▄   TAXI OCHSENFELD  - 03385 505030   ▄▀▄▀▄
Hotline +49 1234 5678

Jugendpolitische Fragen an die Kandidaten zur havelländischen Landratswahl am 10. April 2016 (ggf. Stichwahl am 24. April 2016)

06.04.2016 12:46
(Kommentare: 0)

Im Landkreis Havelland leben trotz des demografischen Wandels auch über 20.000
junge Menschen zwischen 10 und 25 Jahren. Ihre Lebenssituationen könnten
unterschiedlicher nicht sein. Während z.B. der havelländische Durchschnittswert für
Kinder- und Jugendarmut unterhalb des Brandenburgischen Wertes liegt, wachsen
junge Menschen in Osthavelland in vergleichsweise sehr robusten wirtschaftlichen
und sozialen Verhältnissen auf. In den Berlin-fernen Regionen hingegen finden sich
die höchsten Werte für Kinder- und Jugendarmut im gesamten Land Brandenburg.

Die einen kommen rund um die Uhr problemlos von A nach B, während andere nach
16:30 Uhr oder am Wochenende vergeblich auf einen Bus warten und ihre Freunde
oder gar ein Angebot der Jugendarbeit nicht wahrnehmen können, so sie nicht sie
chauffierende Eltern oder ähnliche ressourcenintensive Möglichkeiten haben.
Ob Drogen, Rechtsextremismus oder (Wohlstands-)Verwahrlosung – die jungen
Menschen im Landkreis sind vielen Gefährdungen, Gefahren und Problemen
ausgesetzt, für deren Bewältigung die momentanen Ansätze der Jugendförderung,
der Jugendsozialarbeit und des Jugendschutzes aus Sicht verschiedener Fachkräfte,
freier Träger und auch Kommunen nicht ausreichend sind.

Die Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII – genauer die Arbeitsgruppe „Kinder- und
Jugendarbeit“ - hat im Vorfeld der Landratswahlen auf die Situation der Kinder,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufmerksam gemacht und mit Blick auf die
Jugendarbeit – zum Beispiel Bildungs- und Freizeitangebote im außerschulischen
Bereich – aus ihrer Sicht drängende Fragen aufgeworfen.

Wir haben die Landratskandidaten um Antworten auf diese Fragen gebeten. Sie
stehen nun einerseits (jungen) Wählerinnen und Wählern als Entscheidungshilfe für
die Wahlkabine zur Verfügung und bieten andererseits der Fachebene einen Einblick
in die zukünftige Gestaltung der Jugendarbeit.

Die Fragen wurden per E-Mail an die Kandidaten verschickt. Aufgrund der
ungeklärten Verfassungsmäßigkeit der NPD haben wir Herrn Kittler aus Brieselang
nicht befragt. Es wäre doch tragisch, wenn die Positionen einer Partei, die in Kürze
verboten sein könnte, ausgerechnet Minderjährigen zur Meinungsbildung vorgelegt
würde. Die Entscheidung wurde mehrheitlich in der Arbeitsgruppe getroffen.

Die Reihenfolge der Antworten ergab sich aus der Anzahl der Sitze im
havelländischen Kreistag. Der Einzelbewerber Holger Schilling hat nicht auf unsere
Fragen geantwortet.

1. Thema: Lebenswelten von jungen Menschen im Landkreis Havelland
1.1 Allen jungen Menschen steht nach § 11 SGB VIII das Recht auf Angebote der
Jugendarbeit zu, die „sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher
Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen“ sollen.

Frage 1:
Wie schätzen Sie die Angebote an offener und mobiler Jugendarbeit, an
Jugendkoordination sowie an Jugendsozialarbeit und Schulsozialarbeit im Landkreis
ein. Was wird sich nach Ihrer Wahl zum Landrat verändern?

Roger Lewandowski
Die Grundlage für die die Jugendarbeit nach §§ 11 ff SGB VII bildet der
Jugendförderplan. Der Kreistag hat am 20.4.2015 den Jugendförderplan für die Jahre
2015 und 2016 beschlossen. Mit der Fortschreibung wird im Laufe dieses Jahres
begonnen. Mir ist es wichtig, dass die Fortschreibung in einem guten Dialog zwischen
den Trägern der Jugendhilfe, den kreisangehörigen Städten- und Gemeinden, dem
Jugendhilfeausschuss und dem Jugendamt erfolgt. Dazu will ich meinen Beitrag
leisten.
Schließlich will ich die Notwendigkeit von verlässlichen und angemessenen
Finanzierungsbedingungen für die Jugendarbeit im Landkreis unterstreichen. Wie Sie
wissen werden die erforderlichen Finanzmittel für das Jugendamt zum allergrößten
Teil durch den Kreishaushalt bestritten. Die Landesmittel beschränken sich im
Wesentlichen auf eine Anteilsfinanzierung bei der Kindertagesbetreuung und den sog.
„PKR-Stellen“ (darauf komme ich später noch einmal zu sprechen). Insofern steht die
Finanzierung der Jugendhilfe im engen Zusammenhang zur Höhe der Kreisumlage,
also dem Anteil am Kreishaushalt, den die kreisangehörigen Städte und Gemeinden
erbringen müssen.
Was bedeutet das nunmehr konkret? Nach meiner Einschätzung erscheint es mir
durchaus sachgemäß, den Haushalt für die Jugendarbeit nach „§§ 11 SGB VII in den
nächsten Perioden des Jugendförderplanes fortzuentwickeln.
Nur ist es mir wichtig, dass dies im Dialog und Einvernehmen mit den
kreisangehörigen Städten und Gemeinden erfolgt. Deshalb ist es so wichtig, dass die
kreisangehörigen Städte und Gemeinden aufgefordert sind, örtliche Jugendkonzepte
(vgl. „PKR-Richtlinie des Landkreises) zu erarbeiten. Ich bin froh, dass dieser Prozess
erfolgreich begonnen wurde. Damit ist m.E. eine gute Voraussetzung für die
Fortschreibung des Jugendförderplans geschaffen. Und als Landrat werde ich mich als
ein „aktiver Beteiligter“ an dem Fortschreibungsprozess einbringen. Die abschließende
Entscheidung zum Jugendförderplan und zum Haushalt trifft - wie Sie wissen- der
Kreistag.

Martin Gorholt
Durch die Erhöhung der PKR Stellen durch das Land hat sich das Angebot auch im
Landkreis noch einmal erhöht. Die Angebote sind vielfältig. Dennoch sind
Verbesserungen notwendig. Das betrifft zum einen den Streetwork-Bereich. Hier ist es
erstrebenswert, daß zwei Streetworker unterwegs sind, die beide Geschlechter
repräsentieren. Schulsozialarbeit halte ich an allen Schulen des Landkreises für
notwendig. Kleinere Grundschulen können sich dabei eine Stelle teilen. Ich werde als
Landrat diese Verstärkung der Jugendarbeit schrittweise angehen, mit den
Kommunen besprechen und mich um eine Mitfinanzierung des Landes bemühen. Ich
werde mich auch für eine stärkere Vernetzung und Koordinierung der Angebote
einsetzen.

Harald Petzold
Die Lebenssituation für Kinder und Jugendliche schätze ich genauso ein, wie Sie sie in
ihrem Anschreiben geschildert haben: für einen Teil der Jugendlichen ist sowohl in
Sachen Mobilität als auch in Sachen Zugriffsmöglichkeit auf Angebote der
Jugendarbeit der Problemdruck gering, für einen anderen Teil – aus meiner Sicht die
Mehrheit der Jugendlichen im Havelland – ist der Problemdruck groß. Ich halte die
Angebote der offenen und mobilen Jugendarbeit allerdings in allen Teilen des
Landkreises trotz eines hohen Engagements der damit Beschäftigten für nicht
ausreichend, gemessen am jeweiligen Bedarf. Dies betrifft auch die Ausstattung mit
Schulsozialarbeitern. Hier will ich als Landrat dafür sorgen, dass schrittweise alle
Schulen mit einer/einem eigenen Schulsozialarbeiter/in ausgestattet sind. Um die
Ausstattung mit Jugendsozialarbeiter/innen zu verbessern und die starke Fluktuation
auf diesem Gebiet abzubauen, will ich als Landrat künftig u.a. darauf verzichten, dass
alljährlich PKR-Stellen neu beantragt werden müssen, und will den JHA dafür werben,
längerfristige Vergabe-Entscheidungen zu treffen. Ich würde mich als Landrat dafür
einsetzen und den JHA dafür werben, dass für die vier großen Sozialräume Falkensee,
Wustermark/Schönwalde/Dallgow-Doberitz/Brieselang, Nauen/Friesack und
Rathenow/Premnitz jeweils eine Jugendkoordinations-Stelle eingerichtet wird.

Petra Budke
Im Havelland wird an vielen Orten von unterschiedlichen Trägern und mit
unterschiedlichen Konzepten sehr gute und professionelle Jugendarbeit geleistet. Wir Grüne setzen uns schon lange für mehr Schulsozialarbeit, mehr offene und mobile Jugendarbeit sowie mehr Jugendsozialarbeit im Landkreis ein. Eine wichtige Rolle spielen auch die Jugendkoordinator*innen. Für sehr problematisch halte ich, dass die Angebote zu den freiwilligen Leistungen zählen und deshalb viele Kommunen gerade hier sparen. Die Mittel des Landkreises müssen weiter aufgestockt werden, um die Kommunen besser zu unterstützen. Ich möchte dafür den Jugendförderplan in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendarbeit im Havelland fortschreiben und ein eigenes Kreisförderprogramm auflegen. Akzente möchte ich besonders bei der Inklusion, der Arbeit gegen Rechts, der Integration von Unbegleiteten Minderjährigen Flüchtlingen sowie der Mädchen- und Jungenarbeit setzen. Gute Jugendarbeit braucht Professionalität, Kontinuität und Räume, die soziales Leben möglich machen. Weitere Schließungen von Jugendclubs darf es im Havelland nicht geben. Wichtig ist mir auch, Jugendverbände und andere Formen der Selbstorganisation von Jugendlichen zu unterstützen. Auch die ehrenamtliche Jugendarbeit von Vereinen und Verbänden braucht Anerkennung und Förderung.

Kai Gersch
Mein erster Eindruck ist, dass wir im Havelland im Vergleich zu anderen Landkreisen erst einmal ganz gut aufgestellt sind. Ich bin ja selber Vater und bekomme da auch einiges von meinen Kindern mit. Allerdings gab es in der Vergangenheit auch Probleme mit der geförderten Jugendsozialarbeit, weil Stellen ausgelaufen sind und erst nach ein paar Monaten wieder besetzt wurden. Das darf nicht sein. Wir brauchen Kontinuität. Als Landrat werde ich dafür sorgen, dass es solche Ungewissheiten nicht mehr geben wird. Wichtig ist für mich, nach meiner Wahl eine genaue Bestandsaufnahme zu machen und sich dann mit allen an einen Tisch zu setzen. Wir brauchen einfach eine größere Planungssicherheit für die Träger und die Beschäftigten und natürlich auch für die Jugendlichen. Und wir müssen dann auch gemeinsam schauen, wie wir die vorhandenen Angebote noch erweitern und verbessern können.

Raimond Heydt
Die bestehenden Angebote orientieren sich an den PKR-Stellen und der Kassenlage der Kommunen. Ich wünsche mir ein bedarfsdeckendes Angebot. Gerade im ländlichen Bereich sind lokale Angebote Mangelware. Den Schritt des Landkreises bestehende Stellen verstärkt im Bereich der Jugendkoordination, also Fachkräfte eher im Hintergrund, als an der „Front“ einzusetzen, sehe ich kritisch. Da ich als Landrat zu Lasten anderer Aufgaben einen (finanziellen) Schwerpunkt im Bereich Kinder und Jugend setzen werde, wird sich auch die Finanzierung der Jugendarbeit spürbar verbessern. So brauchen wir z.B. mindestens pro 200 Schüler einen Schulsozialarbeiter
und an Fachstellen gebundene Unterstützungskräfte in allen Teilbereichen.
Jugendarbeit sollte grundsätzlich im Team erfolgen.

1.2 Wie eingangs erwähnt, bilden die Lebensverhältnisse junger Menschen im
Havelland die gesamte Bandbreite möglicher Lebenssituationen in Deutschland ab.
Insbesondere in Nauen und Rathenow wächst fast jeder dritte junge Mensch in finanzieller Armut auf, d.h. der Haushalt der jungen Menschen ist Empfänger von Sozialtransfers im Rahmen des SGB II. Dabei sind einkommensstarke Haushalte mit gleichzeitiger hoher Verschuldung und somit wenig fluiden Mitteln noch nicht berücksichtigt, sodass von noch mehr Jugendlichen mit eingeschränkten Teilhabemöglichkeiten auszugehen ist.
Das SGB VIII sieht in § 13 vor, dass der Landkreis dafür sorgen soll, soziale oder individuelle Benachteiligungen von jungen Menschen auszugleichen, um gleiche Startbedingungen zu schaffen.

Fragen 2:
a. Halten Sie die derzeitigen Maßnahmen zum Abbau von Benachteiligungen für ausreichend?
b. Welche Maßnahmen planen Sie, um (frühzeitigen) Benachteiligungsausgleich zu realisieren und somit mittel- und langfristig die Kinder- und Jugendarmut zu senken?

Roger Lewandowski
a. Erfreulicherweise ist der Anzahl der Familien, die Leistungen nach dem SGB II erhalten aufgrund der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren rückläufig. Ebenso die Jugendarbeitslosigkeit. Die Jugendhilfeplanung nimmt auf diese Entwicklungen Bezug.
b. Nach meiner Auffassung bedarf es gerade mit Blick auf die Kinder- und Jugendarmut einer guten Bildung – schulisch wie außerschulisch – ergänzt durch Angebote der Jugendhilfe, Jugendarbeit, der Sportvereine, der Jugendfeuerwehren. Konkret heißt das: Gute Schulen für den Landkreis und mehr Geld für Bildung. Zugang von Kindern und Jugendlichen beispielsweise zur Musikschule und Angeboten der VHS (z.B. auch das Nachholen von Schulabschlüssen) und Schulsozialarbeit. Und schließlich, den Arbeitsmarkt im Blick behalten und als Landkreis nichts unversucht lassen, um Arbeitsplätze im Havelland zu schaffen und zu halten. Denn Arbeitsmarktpolitik ist immer noch die beste Sozialpolitik.

Martin Gorholt
Es ist selbstverständlich, dass sich die Angebote nach den Lebensverhältnissen der jungen Menschen in den Sozialräumen richten müssen. Deshalb sind alle Maßnahmen noch zielgerichteter anzubieten. Das beginnt beim Netzwerk Gesunde Kinder und in den Kitas, geht über die Koordination der Arbeit in den Schulen mit der Jugendarbeit und dem Gesundheitsamt bis zu den Aktionen des Job Centers. Der Berufsorientierung kommt eine besondere Aufgabe zu.
Kein Jugendlicher darf ohne Berufsausbildung bleiben, kein Kind darf zurückgelassen werden. In gemeinsamer Anstrengung müssen Sozialkompetenzen entwickelt werden. Kulturelle Bildung hat dabei einen besonderen Wert und wird schon jetzt an vielen Orten in Zusammenarbeit mit den Schulen angeboten.

Harald Petzold
a. Nein, ich halte die derzeitigen Maßnahmen zum Abbau von Benachteiligungen für nicht ausreichend.
b. Ich möchte schrittweise in allen Schulen eine/n Schulsozialarbeiter/in einrichten. Ich werde eine Untersuchung zum jeweiligen konkreten Bedarf in den 4 großen Sozialräumen durchführen lassen und die Schlussfolgerungen daraus mit der AG 78 diskutieren. Ich werde schließlich die Möglichkeit des Einsatzes kreiseigener Mittel prüfen, um über die kofinanzierten PKR-Stellen hinaus sozialraumbezogene Stellen im Bereich der offenen oder mobilen Jugendarbeit zu schaffen.

Petra Budke
a. Die derzeitigen Maßnahmen sind keinesfalls ausreichend.
b. Auf den Anfang kommt es an! Deshalb möchte ich besonders den Bereich der „Frühen Hilfen“ ausbauen und Familien von Beginn an besser unterstützen, z. B. durch den Einsatz von Familienhebammen. Die Qualität der Kita-Bildung wollen wir Grüne steigern, insbesondere indem die Betreuungsschlüssel weiter verbessert werden. Frühförderung sollte möglichst in den Kitas direkt stattfinden. Das Bildungs- und Teilhabepaket halten wir nicht für den besten Weg, um Kindern und Jugendlichen mehr Teilhabe zu ermöglichen, da viele Familien die Mittel nicht in Anspruch nehmen.
Alle Kinder und Jugendliche im Landkreis brauchen Zugang zu guten Bildungs- und Freizeitangeboten im außerschulischen Bereich. Wir möchten das Angebot an Ganztagsschulen und Gesamtschulen im Landkreis erweitern und mehr individuelle Förderung für jedes einzelne Kind. Gerechte Bildungs- und Teilhabechancen sind das beste Mittel, um langfristig der Kinder- und Jugendarmut entgegenzuwirken.

Kai Gersch
Kinder- und Jugendarmut ist ein wirklich großes Problem in unserer gesamten
Gesellschaft. Leider erleben wir derzeit, dass die Schere zwischen arm und reich immer größer wird. Wir gehen wieder hinter sozialen Errungenschaften zurück, die unsere Vorfahren erkämpft haben. Die derzeitigen Maßnahmen reichen auf keinen Fall aus. Die so genannten kleinen Leute geraten immer mehr aus dem Blick der etablierten Parteien. Es gibt viele Ecken, an denen man ansetzen muss. Ich will hier nur das Beispiel der Bildung für alle nennen. Nur wenn wir heute allen Menschen, das heißt den späteren Eltern, die gleichen Bildungschancen geben, um einen vernünftigen und vor allem auch vernünftig bezahlten Job zu bekommen, dann beugen wir langfristig Kinder- und Jugendarmut vor. Mit mir als Landrat soll es an Bildungsinfrastruktur nicht mangeln. Das ist eine der wesentlichen Aufgaben dieses Amtes. Hier bedarf es einer Kraftanstrengung sowohl des Kreises als auch der Kommunen, um den Kindern des Havellandes die bestmögliche Ausbildung zu garantieren.

Raimond Heydt
a. Nein, es fehlen betreute Freizeitangebote stationär und mobil, Streetworker,
Psychologen und wie bereits erwähnt Sozialarbeiter an Schulen.
b. Viel wichtiger ist es mir Persönlichkeiten zu stärken und jungen Menschen
tragfähige Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Ich gehe davon aus, dass rund ein Drittel
aller Kinder und Jugendlichen Opfer psychischer, physischer und/oder sexueller Gewalt
werden. Hier gilt es für mich insbesondere auch die Schulen zu sensibilisieren und
entlasten, sodass Räume entstehen individuell und in Kleingruppen auch „harte“
Probleme zu bearbeiten.
Eine Kultur des Wegschauens wird es unter meiner Verwaltung nicht geben.
Bestehende Jugendarmut substanziell zu senken, dürfte den Landkreis überfordern.

1.3 Im Osthavelland gibt es durch die Nähe zu Berlin vergleichsweise wenigen Mobilitätsprobleme. Junge Menschen in den ländlichen Gemeinden desnWesthavellandes hingegen, sind abends und am Wochenende von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abgeschnitten – dies umso mehr, da sie durch o.g. Armutslagen vermehrt keine Zugangsmöglichkeiten zum kostenintensiven Individualverkehr haben.

Frage 3:
Wie wird sich die Mobilitätssituation der jungen Menschen im Havelland mit Ihnen
als Landrat verändern?

Roger Lewandowski
Der Verbesserung des ÖPNV gilt mein besonderes Augenmerk. Es gibt noch einige
Möglichkeiten durch organisatorische Maßnahmen finanzielle Mittel zu erschließen,
die dann wieder dem ÖPNV zu Gute kommen können. So könnten dann neue Linien
und Taktverbesserungen eingerichtet werden. Das geht aber nur, wenn alle an einem
solchen Prozess Beteiligten konstruktiv daran mitwirken. Dafür werde ich mich
persönlich einsetzen.
Bereits schon jetzt findet eine Untersuchung des ÖPNV in Falkensee und Umgebung
statt. Eine Betrachtung weiterer Gebiete im Havelland muss folgen.
Ferner möchte ich das Demografieprojekt des Landkreises um den Personenkreis der
jungen Menschen erweitern. Das Themenfeld Mobilität ist für Alt und Jung
gleichermaßen relevant. Vielleicht gelingt es, beispielsweise an die erfolgreichen
Bürgerbusprojekte in Brieselang und Dallgow-Döberitz anzuschließen.

Martin Gorholt
Mit dem Havelbus und der Regionalbahn haben wir im Havelland leistungsfähige
Angebote. Der Schülerverkehr hat die oberste Priorität. Ich werde als Landrat
gemeinsam mit den Betroffenen prüfen, welche Verbesserungen der Verbindungen
mehr Teilhabe auch am Wochenende

Harald Petzold
Mein wichtigstes Ziel ist es, den Schülertransport von der Zuzahlung durch
Elternbeiträge zu befreien. Die jetzigen Zuzahlungen wirken vor allem für Kinder und
Jugendliche im ländlichen Raum wie ein `Schulgeld durch die Hintertür´ und sind
ungerecht.
Darüber hinaus setze ich mich zum einen für eine Verlängerung der S-Bahn-Anbindung
von Berlin-Spandau bis Nauen ein. Damit würde sich die Mobilität von Jugendlichen
und jungen Erwachsenen im Osthavelland vor allem auch in den Abend- und
Nachtstunden verbessern lassen. Zum anderen will ich erreichen, dass der Öffentliche
Personennahverkehr nicht nur ein Schülertransport-Projekt ist, sondern Busse auch
über die Schulanfangs- und -endzeiten hinaus fahren. Vor allem auch an
Wochenenden muss es Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs geben.
Außerdem möchte ich die in den letzten Jahren begonnenen Projekte zur stärkeren
individuellen Flexibilisierung von Transportangeboten auswerten, ggf. fortsetzen oder
an den aktuellen Bedarf anpassen (z.B. gewähren von Gutscheinen für Taxifahrten
nach der Disco usw.).
Schließlich vertritt DIE LINKE nach wie vor die Idee eines generell unentgeltlichen
öffentlichen Personennahverkehrs, wie es ihn in einzelnen europäischen Kommunen
bereits gibt. Die Möglichkeiten dafür möchte ich auch im Havelland prüfen lassen und
dann öffentlich zur Diskussion stellen.

Petra Budkte
Bus und Bahn sind für uns Grüne Schwerpunktthemen, gerade auch vor dem
Hintergrund, dass Mobilität eine Grundvoraussetzung der Teilhabe für alle ist.
Havelbus ist ein kreiseigenes Unternehmen, somit fällt die Zuständigkeit direkt in den
Kompetenzbereich der Landrätin. Wir Grüne haben uns im Kreistag immer wieder für
eine Stärkung des Busverkehrs in den ländlichen Regionen stark gemacht und mehr
Mittel dafür im Haushalt eingefordert – leider vergeblich.
Fördern möchte ich auch besonders innovative Modelle wir Bürgerbusse, Postbusse
oder Mitfahrplattformen. Interessant für junge Menschen finde ich auch das Modell
Fifty-fifty-Taxi, das ich so ausgestalten möchte, dass es auch von Jugendlichen mit
geringen Einkommen genutzt werden kann.

Kai Gersch
Hier sprechen Sie ein Thema an, dass mir sehr am Herzen liegt. In jede Stadt und jedes
Dorf soll zukünftig ein Bus fahren. Mobilität ist sehr wichtig für die alle Havelländer
sehr wichtig, egal wie alt sie sind. Ganz einfach.

Raimond Heydt
Kreativen Lösungen gegenüber bin ich aufgeschlossen. Aber ich werde kein Geld in
neue schlecht ausgelastete Buslinien stecken. Geld für neue Angebote in der Fläche
und mehr pädagogisches Personal haben Vorrang.

1.4. Im Havelland haben wir weiterhin verschiedene Probleme im erzieherischen und
gesetzlichen Kinder- und Jugendschutz. Vor allem Alkoholmissbrauch und Rauchen
stehen im Vordergrund, aber auch Gewaltbereitschaft und Mobbing.

Frage 4:
Welchen Stellenwert werden Sie dem Kinder- und Jugendschutz mit dem Blick auf
Süchte und Drogen und der Kindeswohlgefährdung im Havelland beimessen?

Roger Lewandowski
Der Jugendschutz und die Präventionsarbeit z.B. in Jugendfreizeiteinrichtungen,
Vereinen und Schulen sind sehr wichtig. Der Landkreis ist auf diesem Arbeitsfeld vor
allem mit dem Jugend- und Gesundheitsamt m.E. gut und engagiert aufgestellt. Die
Zusammenarbeit mit den Schulen funktioniert gut. Durch den Ausbau der
Schulsozialarbeit wird das unterstützt. Ebenso sind qualifizierte Beratungsstellen
wichtig. Der Landkreis hat erst unlängst eine Jugendsuchtberatungsstelle im Familienund
Generationszentrum in Nauen eingerichtet. Auch hat der Landkreis das 2012 in
Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz gut umgesetzt. In den drei Mittelzentren
Falkensee, Nauen und Rathenow haben sich Kinderschutzarbeitskreise etabliert, die
engagiert arbeiten. Die Kooperationen mit den Schulen und der Polizei sind ausgebaut
worden und die Angebote von Familienhebammen für die Allerjüngsten sind etabliert.

Martin Gorholt
Kinder- und Jugendschutz ist in Zusammenarbeit mit allen Akteuren, Eltern, Schulen,
Jugendarbeit, Volkshochschulen, freien Trägern, Ärzten, Polizei und Handel
umfassend zu gestalten.

Harald Petzold
Leider konnten die aus meiner Sicht sinn- und wirkungsvollen Projekte im Bereich des
Kinder- und Jugendschutzes, die ich in den vergangenen Jahren im Osthavelland
kennengelernt und z.T. persönlich begleitet habe, aus unterschiedlichen Gründen nicht
fortgesetzt oder weiterentwickelt werden. Mangelnde Unterstützung seitens des
Landkreises war einer der Gründe dafür. Gegenwärtig ist der Kinder- und
Jugendschutz zu stark von individuellem Engagement einzelner Akteure, von
diskontinuierlichen Projekten oder Kampagnen abhängig. Deshalb möchte ich mich als
Landrat mit den Akteuren zusammensetzen, eine realistische Bedarfsanalyse
entwickeln und Schlussfolgerungen daraus im Rahmen der Möglichkeiten des
Landkreises umsetzen. Der Kinder- und Jugendschutz muss jedenfalls im Rahmen der
Jugendhilfeplanung des Landkreises einen höheren Stellenwert erhalten.

Petra Budke
Kinder und Jugendliche stark zu machen ist die beste Prävention. Das beginnt schon
in den Kitas und muss in den Schulen fortgesetzt werden. Schule, Jugend- und
Suchthilfe müssen hier Hand in Hand arbeiten. Ich werde flächendeckende
Programme zur Sucht- und Gewaltprävention und zur Medienkompetenz mit
Fachkräften einführen. Die Beratungsangebote für Jugendliche und Eltern möchte ich
ausbauen – Eltern fühlen sich mit ihren Sorgen viel zu oft alleine gelassen. Das
Jugendamt möchte ich stärken und die Stelle eines/einer Kinder- und
Jugendschutzbeauftragten sowie eine Ombudsstelle für Konfliktsituationen mit dem
Jugendamt schaffen.

Kai Gersch
Hier muss man unterscheiden. Ich glaube, wir haben in Deutschland schon sehr
ausgefeilte Rechtslage, was den Kinder- und Jugendschutz anbelangt und auch die
Kindeswohlgefährdung. Die Gesetzgebung und Rechtssetzung fällt ja auch zumeist in
Bundeshand, was auch richtig und gut ist, da es im gesamten Bundesgebiet so
einheitliche Regelungen gibt. Ich bin also dagegen, wenn hier auf der kommunalen
Ebene noch einmal schärfere Regelungen getroffen werden. Das gibt auf unser Land
als Ganzes gesehen nur Rechtsunsicherheit. Anders sieht es da mit der Umsetzung
aus. Hier sind die Kommunen durchaus gefragt, das geltende Recht auf vernünftig und
sinnvoll anzuwenden. Aufgabe eines Landrates ist es ja, dafür zu sorgen, dass das
Recht auch umgesetzt wird. Allerdings dürfen auch die Pflichten der Eltern, sich um
ihre Kinder zu kümmern nicht genommen werden. Der Staat muss sie unterstützen,
ihnen helfen, aber sie auch in die Pflicht nehmen, wenn sie ihrer Fürsorgepflicht nicht
gerecht werden. Es sind oft Einzelfallentscheidungen, die vor den zuständigen
Mitarbeitern sorgfältig geprüft werden müssen. Dass das geschieht, dafür werde ich
als Landrat sorgen.

Raimond Heydt
Im Bereich Kinder- und Jugendschutz setze ich auf Aufklärung und Dialog auf
Augenhöhe. Verbote erweisen sich in der Praxis als wenig effektiv. Das Kinder an
Schulen unter Aufsicht des Staates fertig gemacht werden, dass Eltern sich sorgen
müssen, was mit ihren Kindern passiert, während sie arbeiten sind, halte ich für einen
Skandal. Hier werden junge Menschen kaputt gespielt und die verantwortlichen
Politiker schieben die Probleme hin und her. Das die chronische Unterfinanzierung der
Schulen durch das Land bei Lehrern und sonstigem pädagogischem Personal eine
wesentliche Ursache dafür ist, liegt auf der Hand. Ich würde auch für pflichtige
Aufgaben des Landes Brandenburgs Geld des Landkreises in die Hand nehmen, weil
ich denke, dass wir das unseren Kindern schuldig sind.

2. Thema: Fachkräftesituation in der Kinder- und Jugendarbeit
2.1 Ein Beispiel: Im Dezember 2015 kündigte überraschend eine der
leistungsfähigsten und kompetentesten Schulsozialarbeiterinnen in Rathenow ihre
Stelle, um in ein abgesichertes Arbeitsverhältnis zu wechseln. Zuvor war sie 20 Jahre
lang mit sehr hoher Anerkennung im Umfeld auf derselben Stelle bei verschiedenen
Trägern tätig, immer jedoch mit befristeten Verträgen. Sie hatte sich
berufsbegleitend weiterqualifiziert und war nach eigener Aussage mit Träger und
Schule sehr zufrieden. Grund für die Kündigung war die Fördergrundlage der Stelle
und der erneute verunsichernde Ausschreibungsprozess der PKR-Stellen 2014/15. Mit
der Vergabe der PKR-Förderung für nun zwar vier Jahre, aber mit jährlichem
Haushaltsvorbehalt, sind auf dieser Basis beschäftigte MitarbeiterInnen schlechter
gestellt, als zum Beispiel Kita-ErzieherInnen oder FamilienhelferInnen. Zudem gibt es
seit 2015 noch mehr prekäre Arbeitsverhältnisse aufgrund der Förderung von wohl
mehr, aber dafür teilweise nur noch halben Stellen.
Dadurch ist es schwer, qualifizierte und kompetente MitarbeiterInnen in der
Jugend(sozial)arbeit in den Landkreis zu holen bzw. sie hier zu halten.

Fragen 5:
a. Beabsichtigen Sie, die Förderung der Jugendarbeit nach §§ 1, 11 – 14 zu
überarbeiten, zum Beispiel mit einem eigenen, nicht an der PKR-Förderung des
Landes Brandenburg, sondern am Bedarf der jungen Menschen orientiertem,
kreislichen Jugendarbeits-Förderprogramm?
b. Wie können dadurch oder durch andere Maßnahmen weniger prekäre
Arbeitsverhältnisse in der Jugendarbeit und somit eine Steigerung der Qualität
erreicht werden?

Roger Lewandowski
Zur Weiterentwicklung der Angebote nach §§ 11 ff. SGB VIII verweise ich auf meine
Ausführungen zu Punkt 1 zur Fortschreibung des Jugendförderplans.
Zu den Arbeitsverhältnissen in der Jugendarbeit möchte ich ausführen, dass der
Landkreis mit der Neuregelungen zur „PKR-Stellen-Förderung“ eine wichtige
Voraussetzung zu mehr Planungssicherheit geschaffen hat. So sollen die einzelnen
PKR-Stellen für den Zeitraum von vier Jahren festgelegt werden, sofern ein örtliches
Jugendkonzept vorliegt.
Mir ist bekannt, dass aktuell noch nicht alle PKR-Stellen besetzt sind und dass
Mitarbeiterinnen in der offenen Jugendarbeit auch aus finanziellen Gründen ihren
Arbeitsplatz gewechselt haben. Das ist schade. Aber auch nicht ungewöhnlich, dass
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Arbeitsplatz wechseln um sich zu verbessern.
Jeder Arbeitgeber ist gut beraten, seine Mitarbeiterschaft durch gute
Arbeitsbedingungen zu binden.
Sie sprechen mit der Frage sicherlich auch die Finanzierung der PKR-Stellen an. In
diesem Zusammenhang ist die Refinanzierung des Landes sehr kritisch zu bewerten.

Das MBJS hat seinen Finanzierungsanteil an den Personalkosten vor Jahren
„eingefroren“. Mit der Folge, dass der Anteil der kommunalen Seite sowie der Träger
überproportional angewachsen ist. So stellt auch der Stellenzuwachs für die
Schulsozialarbeit nur eine überschaubare Anteilsfinanzierung dar. Die Hauptlast
tragen hier Landkreis, Städte und Gemeinden! Insofern muss die Finanzierung der
Jugendarbeit zwischen den kommunalen Gebietskörperschaften abgestimmt sein. Die
abschließende Entscheidung ist dem Kreistag sowie den
Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen und Amtsausschüssen
vorbehalten.

Martin Gorholt:
a. Ich kann mir ein kreisliches Jugendarbeits-Förderprogramm als Ergänzung gut
vorstellen. Ein solches Programm muss gut mit den Kommunen besprochen sein.
b. Die Stellen müssen so gestaltet sein, dass sie für Fachkräfte attraktiv sind.

Harald Petzold
Klare Antwort: Ja. DIE LINKE hat sich in den vergangenen Jahren sowohl auf
Landesebene als auch im Rahmen ihrer Mitarbeit im JHA des Kreises und im Kreistag
für eine stärkere Verstetigung der Stellenförderung, für mehr Verlässlichkeit und
Planungssicherheit sowie den Einsatz kreislicher Ressourcen in der Jugendarbeit
eingesetzt. Ich weiß, dass ich dafür notwendiges Geld auch nicht herbeizaubern kann,
aber so, wie es gegenwärtig läuft, kann es nicht bleiben.
Der Landkreis wird die Herausforderung einer stärkeren Anerkennung der Tätigkeit im
Bereich der Jugendarbeit, im Erziehungs-, Bildungs- und Hilfebereich nicht allein lösen
können. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die durch DIE LINKE auf allen
politischen Ebenen ständig thematisiert wird, zuletzt mit Anträgen im Deutschen
Bundestag und der aktiven Unterstützung der Streikaktionen von Erzieher_innen und
Sozialarbeiter_innen. Aber mit einer Umstellung der Förderpraxis und dem Einsatz
kreislicher Ressourcen kann ein erstes Signal gesetzt werden: die Arbeitsbedingungen
für die Mitarbeiter_innen und die Sicherung einer hohen Qualität ihrer Arbeit sind mir
ein wichtiges Anliegen. Darüber hinaus werde ich alle Möglichkeiten öffentlich
geförderter Beschäftigung (mit sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigungsverhältnissen) zu nutzen versuchen, um kontinuierliche und
verlässliche Arbeit im Bereich der Jugendarbeit zu unterstützen.

Petra Budke
a. Das Beispiel aus Rathenow macht mich traurig. So etwas sollte nicht passieren.
Gute Arbeit braucht auch gute Arbeitsbedingungen. Ein eigenes Kreisförderprogramm
zur Jugendarbeit ist eine sehr gute Idee, die ich gerne aufgreifen möchte.

b. Wir Grüne sind grundsätzlich der Überzeugung, dass Berufe im sozialen Bereich
einer gesellschaftlichen Aufwertung bedürfen, durch bessere Bezahlung und
anständige Arbeitsbedingungen. Träger brauchen Planungssicherheit.

Kai Gersch
Wir haben in unserer heutigen Gesellschaft ein generelles Problem mit Kurzzeit- oder
befristeten Verträgen. Das gilt nicht nur für den Sozialbereich, sondern auch für den
Kulturbereich. Und auch in der Privatwirtschaft werden immer weniger Stellen
unbefristet vergeben. Das bringt natürlich nicht nur Unsicherheiten für die Menschen
mit, sondern auch Frustration. Darunter leidet natürlich auch die Qualität. Als Landrat
werde ich in meinem direkten Bereich solche prekären Arbeitsverhältnisse minimieren.
Dort, wo ich – durch landkreiseigene Förderprogramme zum Beispiel – mittelbar
Einfluss nehmen kann, werde ich das natürlich auch versuchen. Leider habe ich bisher
allerdings immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die gerade Institutionen, die
sich das Soziale auf die Fahnen geschrieben haben, manchmal selber sehr unsozial mit
ihren Mitarbeitern umgehen und die Führungen oft lieber auf prekäre
Arbeitsverhältnisse setzen. Ich werde aber alles tun, was in der Macht eines Landrates
steht, um hier klare Grenzen und einem am sozialen orientierten Rahmen zu setzen.

Raimond Heydt
a. Ja. In welchen Formen wird mit allen Akteuren (Kindern, Jugendlichen, Eltern und
Trägern) zu diskutieren sein. Neben der klassischen Förderung von Stellen und
Projekten, kann ich mir auch ein an die Kinder gebundenes Gutscheinsystem
vorstellen, um eine stärkere Orientierung an deren konkrete Bedürfnisse zu erreichen.
b. Ein klares Bekenntnis zum Stellenwert der Arbeit im Kinder- und Jugendbereich und
erhebliche Aufstockungen der finanziellen Mittel in Verbindung mit Globalbudgets für
die Träger schaffen neue Spielräume. Gleichwohl bin ich durchaus für einen
Qualitätswettbewerb unter den Trägern. Ein Arbeitsplatz bei einem freien Träger ist
kein Beamtenverhältnis.

2.2 In der Vergangenheit wurde die Schulsozialarbeit im Landkreis gestärkt, dies
allerdings vorrangig durch Vorgaben der Personalkostenrichtlinie. Zurück gefahren
wurden Jugendklubangebote vor allem im ländlichen Raum.

Frage 6:
In welchen Bereichen werden Sie Schwerpunkte der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit setzen?

Roger Lewandowski
Nach der PKR-Förderrichtlinie sind vier Prioritäten genannt. Diese Prioritätensetzung
halte ich für sinnvoll. Wünschenswert wäre es, wenn sich das Land mit einem höheren
Finanzierungsanteil an der Schulsozialarbeit beteiligen würde. Damit wären
Spielräume für die Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit außerhalb der Schule
geschaffen.
Im Rahmen der Projektförderung haben für mich der Jugendschutz und die
Präventionsangebote eine hohe Priorität.

Martin Gorholt
Bildungsgerechtigkeit ist für mich die Grundlage für Teilhabe aller. Deshalb liegt für
mich der Schwerpunkt bei der Unterstützung des Bildungserwerbs und der
Berufsausbildung. Nicht zu unterschätzen im Bereich der Jugendarbeit sind hier nicht
angesprochene Felder wie der Sport oder die Jugendfeuerwehr.

Harald Petzold
Die Schulsozialarbeit muss in Zukunft gesondert gefördert und sichergestellt werden.
Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, dass in den nächsten Jahren schrittweise alle Schulen
eine/n eigene/n Schulsozialarbeiter/in bekommen.
Damit möchte ich für die offene und mobile Jugendarbeit Ressourcen `freikämpfen´,
die dieser Bereich für die Verstärkung von Angeboten vor allem im ländlichen Raum
benötigt.

Petra Budke
Kinder und Jugendliche verbringen immer mehr Zeit in der Schule, deshalb halte ich
die Stärkung der Schulsozialarbeit nach wie vor für wichtig. Zwar wurden Fortschritte
erzielt, doch gibt es längst nicht an jeder Schule Sozialarbeit. Dies darf aber nicht zu
Lasten der Jugendklubangebote und der mobilen Jugendarbeit gehen. Die Kommunen
möchte ich mit einem Kreisförderprogramm beim Ausbau der Jugendclubs und der
mobilen Jugendarbeit unterstützen.

Kai Gersch
Schulsozialarbeit wird immer wichtiger. Man muss fast schon leider sagen. In den
Schulen sollen die Kinder und Jugendlichen eigentlich Wissen erwerben, soziale
Kompetenzen erwerben, sich kreativ ausleben, sich ausprobieren. Wenn dies
allerdings nicht möglich ist, weil Probleme aus den Familien oder den nichtschulischen
Umfeld der Kinder und Jugendlichen mit in die Schule genommen werden, dann muss
die Schulsozialarbeit hier helfen und die Lehrer unterstützen. Deshalb darf sie auf
keinen Fall gekürzt werden. Jugendklubangebote haben einen komplett anderen
Ansatz. Sie sollen Freizeitangebote bieten. Sie sind ein wichtiger Pfeiler – neben zum
Beispiel Vereinen oder anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Hier muss eine noch
stärkere Zusammenarbeit gefördert werden. Ich habe manchmal das Gefühl, dass hier
zwei Fahrtrichtungen nebeneinander laufen. Die mit Steuergeldern finanzierten
Jugendclubs mit staatlich abhängigen Betreuern und das ehrenamtliche
Vereinswesen. Eine Zivilgesellschaft baut sich aber von unten auf. Der Staat muss und
soll hier unterstützen. Hier müssen sich alle Beteiligten an einem Tisch setzen und
gemeinsam neue Wege finden.

Raimond Heydt
Das ich Wolfgang Gall für nicht besonders geeignet auf seinem Posten halte, hat sich
vielleicht schon rumgesprochen. Die von oben gegen vielfachen fachlichen Rat
durchgepeitschte PKR-Richtlinie setzt falsche Schwerpunkte, wie bereits eingangs
erwähnt. Ich will eine breit aufgestellte und vor allem bedarfsdeckende Jugendarbeit
im Landkreis. Die hat ihren Preis, aber den will ich gerne bezahlen. Aktuell muss
sicherlich Integration, sowohl von Flüchtlingen als auch von Nazis, ein Schwerpunkt
sein.

3. Thema: Demokratische Teilhabe und Beteiligung; Politik- und Demokratieverdrossenheit
3.1 In Rathenow gibt es das zweitälteste Jugendparlament Brandenburgs, deren
Mitglieder zumindest Rederecht als sachkundige Einwohner in allen städtischen
Ausschüssen besitzen. Zudem wurden jüngst im Rahmen der Partnerschaften für
Demokratie Jugendforen/-räte in Falkensee, Milower Land und Rathenow
durchgeführt, um die Ideen und Sorgen junger Menschen zum Gesprächsthema und
Teil des politischen Diskurses zu machen.
Im Jugendhilfeausschuss des Kreises reden keine jungen Menschen mit.
Die Wahlbeteiligung junger Menschen liegt in Übereinstimmung mit den
Erwachsenen auf
einem erschreckend niedrigen Niveau.

Fragen 7:
a. (Wie) werden Sie die Beteiligungsrechte junger Menschen stärken?
b. Was motiviert junge Menschen, sich aktiv in gesellschaftliche Diskurse
einzubringen oder zur Landratswahl zu gehen?
c. Warum sollen junge Menschen Sie zum Landrat wählen?

Roger Lewandowski
Ich finde es sehr wichtig, wenn sich junge Menschen einbringen. Die Formen sind
vielfältig: Jugendparlamente, Jugendbeiräte, Projektgruppe z.B. Ortsteil- und
Stadtteilplanung, Schülervertretungen, aktive Jugendliche in
Jugendfreizeiteinrichtungen und Jugendverbandsarbeit, Bürgerinitiativen.
Auch wäre es möglich, den Jugendhilfeausschuss für die Beteiligung von jungen
Menschen im Jugendhilfeausschuss zu öffnen. Bei der letzten Anpassung der
Jugendamtssatzung wurde dies nicht eingebracht, auch nicht von den freien Trägern.
Warum sollten mich junge Menschen wählen? Weil ich es ehrlich meine. Ich
verspreche nichts, was ich nicht halten kann. Als langjähriger Bildungsdezernent liegt
mir die
Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr am Herzen. Und damit meine ich nicht
nur die schulische Entwicklung. Erwachsenwerden ist weit mehr als Schule.

Martin Gorholt
a. Kinder- und Jugendparlamente sollte es in allen Kommunen und im Landkreis geben
und Jugendliche auch im Jugendhilfeausschuss des Kreistages vertreten sein.
Regelmäßige Jugendforen sind notwendig.
b. Es gibt viele Jugendliche, die sich aktiv engagieren. Das politische Interesse ist groß.
Diskussionen über aktuelle politische Fragen an allen weiterführenden Schulen
wünsche ich mir.
c. Ich bemühe mich um einen regelmäßigen Dialog mit der Jugend. So besuche ich oft
Schulen und Jugendeinrichtungen. Ich werde regelmäßig Jugendliche um Rat fragen.
Bildung, Jugend und Sport gehören zu den Politikfeldern, auf denen ich über viel
Erfahrungen verfüge.

Harald Petzold
Die Schaffung eines Kinder- und Jugendparlaments oder -beirats auf Kreisebene ist
eines meiner wichtigsten Ziele für meine Tätigkeit als Landrat. Dabei ist mir das
Vorbild aus Rathenow sehr wichtig und es wurde durch DIE LINKE in der Stadt sowie
im Kreis immer aktiv unterstützt. Dabei sollen die Kinder und Jugendlichen nicht nur
Rederecht und zwei Sitze (geschlechtergerecht) als sachkundige Einwohner_innen im
JHA bekommen, sondern Rederecht auch im Plenum des Kreistages. Außerdem werde
ich mich mit den Fraktionen über ein Einspruchs- oder Vetorecht für das Kinder- und
Jugendparlament beraten, wenn es um Belange geht, die überwiegend das Leben von
Kindern und Jugendlichen betreffen, wie z.B. die Jugendhilfeplanung oder die
Gebührensatzungen für die Kunst- und Musikschule sowie den Schülertransport.
Schließlich will ich die Praktikums- und Mentor_innenprojekte der vergangenen Jahre
fortsetzen, um junge Menschen mit praktischer Politik vertraut zu machen und ihnen
Einblicke darin zu gewähren. Für junge Menschen soll es darüber hinaus einen Extra-
Sprechtag mit `ihrem´ Landrat geben. Dazu würde ich vor Ort in
Jugendfreizeiteinrichtungen kommen, um so vielen Jugendlichen wie möglich die
Chance zu geben, `ihren´ Landrat kennenlernen und mit ihm sprechen und diskutieren
zu können.
Meiner Meinung nach motiviert es Jugendliche, sich aktiv in gesellschaftliche Diskurse
einzubringen oder an Wahlen teilzunehmen, wenn sie erleben, dass dieses `sich
einbringen´ für sie ein konkretes positives Ergebnis bringt. Außerdem möchten sie für
ihr `sich einbringen´ die dafür gebührende Wertschätzung sowie eine verlässliche und
kontinuierliche Hinwendung und Begleitung erfahren, nicht sporadisch oder
kampagnenhaft, wie im Zusammenhang mit Wahlen.
Mein wichtigstes Anliegen ist, dass junge Menschen überhaupt an der Wahl zum
Landrat teilnehmen und damit eines ihrer wichtigsten politischen Rechte
wahrnehmen. Freie Wahlen sind auch in der Gegenwart noch kein
selbstverständliches demokratisches Recht, wenn ich auf die politische Praxis in
anderen Ländern schaue. Sie sind auch in unserem Teil Deutschlands schwer erkämpft
worden. Und auch bei uns ist es nicht sicher, ob die Möglichkeit, `seinen´ Landrat
direkt wählen zu können auf Dauer erhalten bleibt, wenn die Wahlbeteiligung in
Zukunft nicht ausreicht, um ein repräsentatives Wahlergebnis sichern zu können.
Deshalb mein wichtigstes Anliegen: Wählen gehen! Demokratisch wählen!
Darüber hinaus unterbreite ich ein Angebot – vor allem was die Mitbestimmung von
Kindern und Jugendlichen betrifft, aber auch den Schülertransport und die
Schulsozialarbeit, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die Verbesserung der
individuellen Mobilität – das für einen Neuanfang im Landkreis steht und das es
deshalb wert ist, ernsthaft geprüft und für gut befunden zu werden.


Petra Budke
a. Wir Grüne wollen echte Möglichkeiten der Mitwirkung für Kinder und Jugendliche in
demokratischen Prozessen. Hierzu wollen wir in der Brandenburgischen
Kommunalverfassung verbindliche Beteiligungsrechte für Kinder und Jugendliche
verankern, über deren konkrete Ausgestaltung die Kommunen selbst entscheiden
können. Auf Kreisebene möchte ich ein Kinder- und Jugendparlament analog zum
KiJuPa in Rathenow etablieren und Kindern und Jugendlichen Rede-, Antrags- und
Stimmrecht für politische Entscheidungen in den Ausschüssen einräumen. Bei
konkreten Plänen, die Kinder und Jugendliche betreffen, muss es Beteiligungsprojekte
vor Ort geben, die durch Fachkräfte unterstützt werden, Außerdem möchte ich neue
Formen der Beteiligung und der politischen Bildung fördern und dabei das Internet
einbeziehen, um bei jungen Menschen die Lust auf parlamentarische Demokratie zu
wecken.
b. Die jungen Menschen müssen erleben, dass sie mit ihrer Stimme und ihren Aktionen
tatsächlich etwas bewirken können. Konkrete Erfahrungen, wie z.B. bei den
Kundgebungen gegen rechts, bei der Flüchtlingshilfe oder beim Volksbegehren gegen
Massentierhaltung können ihnen zeigen, dass ihr Engagement wichtig ist.
c. Es ist Zeit, dass sich im Havelland etwas ändert, es ist Zeit, für was Neues! Ich stehe
für mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche und werde eine
spezielle Kinder- und Jugendsprechstunde einrichten, um mehr über ihre Sorgen und
Probleme zu erfahren. Ich setze mich ein für gerechte Bildungs- und Teilhabechancen
für alle Kinder und Jugendliche, für ein gutes Miteinander von Jung und Alt, für ein
zukunftsfähiges, sozial gerechtes, demokratisches und ökologisches Havelland.

Kai Gersch
Diese Frage schließt schon an meinen Ansatz an, den ich in der vorhergehenden
Antwort schon angedeutet habe. Wichtig ist, gerade den jungen Menschen zu zeigen,
dass sich Engagement lohnt und wie sie sich jenseits staatlicher Angebote in
zivilgesellschaftlichen Organisationen beteiligen können. Dazu gehört, sein aktives
Wahlrecht zu nutzen, gerade für junge Menschen und Erstwähler. Wer zur Wahl geht,
kann wirklich etwas verändern. Das haben die Landtagswahlen in Baden-
Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gezeigt. Auf einmal gibt es eine
neue Partei mit neuen Ideen in den Landtagen. Es tut sich doch etwas gerade in
unserem Land. Die politische Null-Bock-Stimmung, die in den noch vor ein paar
Monaten in Deutschland herrschte, ist wie weggeblasen. Die Wahlbeteiligung steigt
wieder. Das ist doch toll und ein Anreiz, sich zu engagieren. Ich habe mehr als zwanzig
Jahre politische Erfahrungen in verschiedenen Positionen. Ich bin selber Vater und
habe eine Familie. Dadurch verstehe ich sehr gut, was junge Menschen heute bewegt.
Das alles kann ich sehr gut einbringen in das Amt eines Landrates. Ich lebe in der
Region und engagiere mich seit vielen Jahren für sie. Daher verfüge ich natürlich über
viel Wissen über das Havelland und seine Menschen.


Raimond Heydt
a. Mein zentrales Angebot an die Wählerinnen und Wähler lautet „direkte
Demokratie“. Volksabstimmungen zu wichtigen Zukunftsfragen oder
Einzelentscheidungen mit hohen öffentlichen Interesse befördern mittelfristig eine
neue politische Kultur. Die Menschen, egal ob jung oder alt, sind der Souverän und
nicht einige mittelmäßig interessierte Kreistagsabgeordnete und schon gar nicht ein
Landrat und seine Verwaltung. Einen Kreisjugendring u.ä. fehlt im Havelland noch
immer.
b. Das Gefühl ernst genommen zu werden und auf Augenhöhe mitentscheiden zu
können. Und natürlich die berechtigte Erwartung, die eigenen Interessen befördern zu
können. Vielleicht sollte Selbstbestimmung und Freiheit von Jugendlichen auch mal
Vorrang vor Bevormundung und Jugendschutz haben.
c. Weil ich den Mut habe neue Wege zu gehen. Mit direkter Demokratie und mir als
Verwaltungschef können wir die Parteien im Kreistag ein gutes Stück weit entmachten
und uns so Freiheit und Souveränität zurückholen. Und, weil ich auch mal Fünfe
gerade sein lasse und der Menschlichkeit Vorrang vor den Paragraphen gebe.


4. Thema: Rechtspopulismus und Rechtsextremismus
4.1 Die hohe Zahl von Flüchtlingen hat rechtspopulistischem und rechtsextremem
Gedankengut und entsprechenden Parteien eine neue gesellschaftliche Bühne
eröffnet. Fremdenfeindliche, nationalchauvinistische, gewaltauffordernde und die
Nazizeit verharmlosende Parolen verfangen mit der Angst der Menschen vor
kommenden gesellschaftlichen Veränderungen. Insbesondere in den von jungen
Menschen genutzten Sozialen Netzwerken im Internet werden meist unsanktioniert
Hass und Hetze gegen Flüchtlinge, aber auch gegen das System, also die freiheitlichdemokratische
Grundordnung, verbreitet. Anderslautende Meinungen werden durch
Blockieren oder Denunzieren der GegenrednerInnen vom Diskurs ausgeschlossen.
Das rechtspopulistische so genannte „Bürgerbündnis Havelland“ und andere PEGIDAAbleger,
deren Klientel mit bekennenden Rechtsextremisten durchsetzt ist, zeigt sich
anschlussfähig für junge Menschen.

Frage 8:
Wie wird sich der Landkreis Havelland mit Ihnen als oberster Repräsentant des
demokratischen Staates in dieser Angelegenheit mit Blick auf die Jugendarbeit
verhalten?

Roger Lewandowski
Als Christdemokrat engagiere ich mich schon seit meiner Jugend für Demokratie,
Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Deshalb unterstütze ich das vielfältige Engagement
gegen politischen Extremismus, Rassismus, und Fremdenfeindlichkeit.
Die Gründe für Fremdenhass sind vielfältig. Zum einen gibt es in der Bevölkerung
einen Anteil Menschen mit einem rassistisch geprägten Weltbild. Diese Menschen sind
leider nur in den seltensten Fällen zu erreichen. Hier müssen die demokratischen
Parteien und die Zivilgesellschaft entschlossen gegenhalten. Gleichzeitig ist der
Rechtsstaat aufgefordert, politisch motivierte Straftaten entschlossen und mit der
nötigen Härte zu verfolgen und abzuurteilen. Ich bin sehr froh, dass es Polizei und
Staatsanwaltschaft gelungen ist, die rechtsextremistische und kriminelle Nauener
Zelle zu ermitteln.
Die Entwicklungen in den letzten Jahren, wie Eurokrise, die Flüchtlingssituation,
Globalisierung und Krise der EU verunsichern zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Für
rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien und Bewegungen sind diese
Menschen leider oftmals leicht zu erreichen. Aus meiner Sicht ist es wichtig, einerseits
klare Grenzen zu setzen, da wo unsere gesellschaftlichen Werte in Gefahr sind. Aber
andererseits nichts unversucht zu lassen, mit verunsicherten Bürgerinnen und Bürgern
das Gespräch zu suchen. Vieles ist im Dialog erklärbar, Lösungen können gefunden
werden, Akzeptanz und Toleranz ist vermittelbar.

Martin Gorholt
Nach meinen Beobachtungen sind bei den Veranstaltungen der Pegida in Schönwalde
und des sog. Bürgerbündnisses in Rathenow Jugendliche unterrepräsentiert.
Gefährdungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Dem ist auf drei Wegen
entgegenzuwirken: Sinnvolle Angebote an Jugend- und Kulturarbeit und
Freizeitbeschäftigung, Aufklärung und Bildungsarbeit an Schulen und
Jugendeinrichtungen, klares Auftreten gegenüber rechtsextremen Veranstaltungen.
Bei allen drei Maßnahmen werde ich mich persönlich engagieren. Ich werde eine
Kampagne "Respekt statt Gewalt" starten.

Harald Petzold
Rechtsextreme, rassistische, ausländerfeindliche, homophobe oder sexistische
Strukturen können immer dann unter Menschen wirksam werden, wenn die zivile
Mehrheitsgesellschaft nicht selbst aktiv, kontinuierlich und verlässlich wirksam ist. Die
erfolgreichen Beispiele aktiven bürgerschaftlichen Engagements zur Eindämmung des
Wirksamwerdens von undemokratischen oder demokratiefeindlichen Strukturen, die
es auch in unserem Landkreis gibt, sind mir Beleg für meine These. Deshalb will ich
eine dauerhafte „Werkstatt Demokratie“ im Landkreis etablieren, die kontinuierlich
und verlässlich mit den Kommunen und ihren vielen ehrenamtlichen Strukturen, mit
Künstlerinnen und Künstlern, mit Seniorinnen und Senioren und dem Kinder- und
Jugendparlament zusammenarbeitet. Dafür soll es auch eine Koordinierungsstelle in
der Kreisverwaltung geben.

Petra Budke
Die Landrätin sollte an der Spitze der Bewegung für ein buntes, weltoffenes und
tolerantes Havelland stehen. Der Kampf gegen rechts, gegen Neonazis ebenso wie
gegen Rechtspopulisten und Alltagsrassisten auf allen Ebenen hat für mich zentralen
Stellenwert. Ich unterstütze die Projekte im Rahmen des Bundesprogramms
„Demokratie leben“ und möchte sie weiter voranbringen.

Kai Gersch
Ich bin gegen jegliche Form von Gewalt und Hass. Das schließt alle Formen des
Extremismus ein. Wichtig ist mir aber, nach den Ursachen von Gewalt zu fragen. Und
die sind vielfältig. Ein Grund ist sicherlich, dass die Menschen sich nicht mehr
mitgenommen fühlen. Sie denken, sie werden alleine gelassen. Ich werde für alle
Menschen da sein, egal welchen Alter sie sind.

Raimond Heydt
Für mich gilt: Alle Menschen haben gleiche Rechte. Immer und überall. Aber jede Form
von Zensur lehne ich ab. Nationalistisch oder rassistisch motiviertes kriminelles
Verhalten von Jugendlichen (und Erwachsenen) muss schnell durch den Rechtsstaat
sanktioniert werden. Der Rest ist pädagogische Arbeit. Ich werde alles tun, dass die
notwendigen Ressourcen für diese Arbeit schnellstmöglich zur Verfügung stehen.
Siehe diverse Antworten zuvor.

5. Thema: Integration
5.1 Derzeit kommen mit den Flüchtlingen auch viele Kinder und Jugendliche in den
Landkreis. Nach Angaben von PädagogInnen gelingt die Integration von jüngeren
Kindern recht problemlos, mit zunehmendem Alter sind vermehrt Vorurteile
gegenüber Fremden zu überwinden, vermutlich gibt es auch Vorurteile gegenüber
der einheimischen Bevölkerung. Dies schafft zusätzliche Aufgaben für die
Jugendarbeit.

Frage 9:
Welche integrationsfördernden Maßnahmen wird es in der Jugendarbeit mit Ihnen
als Landrat geben?

Roger Lewandowski
Stand bisher die Unterbringung von Flüchtlingen in geeigneten Unterkünften in
Vordergrund, so wird in den nächsten Monaten die Integration von Flüchtlingen, von
Familien mit Kindern immer mehr in den Fokus rücken. Dabei geht es vorrangig um
Schule, Wohnen und Arbeit. Mir ist bewusst, dass die haupt- und ehrenamtliche
Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag zur Integration und bei der Verständigung mit
der Bevölkerung leistet. Beispielhaft möchte ich in diesem Zusammenhang die
Jugendfreizeiteinrichtungen in Premnitz und Friesack ansprechen.
Als Leiter des Krisenstab Asyl habe ich einen guten Überblick über die Situation und
die künftigen Herausforderungen in diesem wichtigen Aufgabenfeld. Sofern mich die
Havelländerinnen und Havelländer zum Landrat wählen, werde ich mich auch
weiterhin dieser Aufgabe, einer Aufgabe für die Gesamtverwaltung, widmen.

Martin Gorholt
Die Angebote in den Kitas, den Schulen und Jugendeinrichtungen müssen
entsprechend quantitativ und qualitativ ausgestaltet werden. Dabei erwarte ich
umfassend Hilfe vom Bund und vom Land. Dazu kommen die vielen ehrenamtlich
getragenen Maßnahmen. Flüchtlings- und Integrationspolitik sind für mich Chefsache.
Ich werde einen Runden Tisch Integration und Zusammenhalt gründen. Zentral sind
für mich auch Berufsvorbereitung und Berufsausbildung. Dazu gehört eine enge
Zusammenarbeit mit den Betrieben. Ich werde Fallkonferenzen installieren, um die
Unterstützungen des Landkreises koordiniert den Flüchtlingsfamilien für eine gute
Integration anzubieten.

Harald Petzold
Ich will die Arbeit der zahlreichen Willkommens-Initiativen dahingehend unterstützen,
dass die Integration von Kindern und Jugendlichen in ihrer Arbeit einen gebührenden
Raum einnehmen kann. Eine verlässliche und kontinuierliche Zusammenarbeit mit
Trägern der Jugendarbeit ist dafür ein wichtiger Baustein. Ich will gemeinsam mit den
Initiativen und Trägern sowie den Schulen kurzfristig den konkreten Bedarf ermitteln
und danach gezielt Maßnahmen entwickeln, die zu einer nachhaltigen Integration von
Kindern und Jugendlichen beitragen. Der Bereich der Jugendarbeit wird dabei einen
wichtigen Platz einnehmen, aber auch die schulische und berufliche Bildung, der
Sport, Kunst und Kultur sowie Jugendfeuerwehren.

Petra Budke
Ich möchte einen Migrationsbeirat einrichten, ein Konzept für die Integration
entwickeln, das die Jugendlichen besonders im Blick hat und die Jugendarbeit sowie
die Jugend- und Schulsozialarbeit personell und räumlich stärken.

Kai Gersch
Asyl ist keine Dauerbaustelle. Wir sind Gastgeber auf Zeit. In dieser Zeit müssen wir
sicherstellen, dass Asylsuchende auch hier ein selbstbestimmtes Leben führen können.
Das gilt natürlich auch für Kinder und Jugendliche. Wir müssen aber unterscheiden
zwischen Asyl und Zuwanderung.

Raimond Heydt
Konkret brauchen wir Unterstützung von Ehrenamt und mehr Begegnungsmöglichkeiten für Menschen. Viele Vereine und Privatpersonen sind bereit Integrationsarbeit mit Geflüchteten zu leisten. Oft sind es kleine Dinge an denen es hapert. Um hier schnell und unbürokratisch Hilfe zu leisten, bedarf keines großen Budgets, sondern vor allem klare Anlaufstellen und eine gute Vernetzung unter den
zivilgesellschaftlichen Akteuren. Zusätzliche öffentliche Räume der Begegnung, wie
Nachbarschaftstreffs, Gemeindehäuser, Jugendclubs, Spielplätze, Vereinshäuser, etc.,
helfen nicht nur bei der Integration, sondern geben auch der deutschen Bevölkerung
Raum sich zu entfalten. Der persönliche Kontakt ist der schnellste Weg Ängste und
Vorurteile abzubauen und den Gemeinsinn zu stärken. Am Ende sind wir alle
Menschen.

Wir, die Arbeitsgemeinschaft freier und öffentlicher Träger der Jugendhilfe im
Havelland, Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendarbeit“, bedanken uns bei der
Landratskandidatin und den teilnehmenden Landratskandidaten für die
ausführliche Beantwortung unserer teilweise sehr fachspezifischen Fragen.
Wir wünschen den Havelländerinnen und Havelländern ab 16 Jahren ein gutes
Händchen in der Wahlkabine und hoffen Ihnen mit diesem Papier eine
Entscheidungshilfe für die Auswahl des Landrates für die nächsten 8 Jahre
gegeben zu haben.

Arbeitsgemeinschaft freier und öffentlicher Träger der Jugendhilfe im
Havelland, Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendarbeit“
Sprecher:
Dr. Volker Mueller,
c/o Humanistischer Freidenkerbund Havelland e.V.,
14641 Nauen, Karl-Thon-Str. 42.
Email: freidenker-havelland@web.de

Zurück

Einen Kommentar schreiben
© All rights reserved
German English